Spielzeugmuseum im Havelland

Eine Reise in die Kindheit

Puppen und Puppenstuben

Die Puppen, Puppenstuben, Kaufläden und Küchen in der Ausstellung spiegeln die Spiel- und Erziehungswelt von Mädchen zwischen 1830 und 1920 wieder. Kleine Mädchen sollten die Haushaltsführung erlernen und so auf das erwachsene Leben vorbereitet werden.

Wie detailverliebt und verspielt diese Spielsachen waren, zeigt sich beispielsweise an der Puppenküche der Firma Bing um 1900. Diese ist ausgestattet mit einem reichhaltigen Emaille- und Porzellansortiment mit Zwiebelmuster nach Meißner Dekorvorbildern.

Die größte Bedeutung hatte die deutsche Puppenindustrie zwischen den Gründerjahren und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Der weltweite Erfolg der deutschen Puppenindustrie basiert auf einer langen Tradition im gewerblichen und handwerklichen Bereich.

Die einfachen Docken (Holzpuppen) wurden im Mittelalter in Nürnberg produziert, ab etwa 1830 entsteht eine blühende Industrie in Thüringen und dem Meininger Land. Dabei sind besonders die Gegenden um Sonneberg und Waltersdorf hervorzuheben. Der Holzreichtum des Thüringer Waldes, die Porzellanerde (Kaolin) und die ausgeprägte Handwerkstradition begünstigten diese Entwicklung. Die ersten Puppenköpfe wurden aus Papiermaché gefertigt, schon bald wurde die Produktion auf Porzellan umgestellt. Der Export spielte bereits eine wichtige Rolle und Porzellan war auf Grund seiner Haltbarkeit für den Transport besser geeignet als Papiermaché. Die U.S.A. waren der größte Abnehmer für deutsche Puppen. Alle großen Handelshäuser, wie z.B. Woolworth, hatten ihre festen Einkäufer in Thüringen.

Herausragend in der frühen Periode waren Johann Daniel Kestner, aus Waltershausen, sowie die Firma Alt, Beck & Gottschalk aus Ohrdruf. Selbst die Königlich Preußische Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) und Meißen stellten vereinzelt auch Puppenköpfe her.

1905 wurde die Rheinische Celluloidwarenfabrik gegründet. Das Naturprodukt Zelluloid konnte aufgrund seiner Leichtigkeit preiswerter angeboten werden und war die größte Konkurrenz der Thüringischen Puppenindustrie.

Einen eigenen Weg ging Käthe Kruse, ihr war das Porzellan zu „kalt”. Sie schuf komplette Puppen aus Stoff und gewann 1908 den ersten Preis einer Verkaufsausstellung in Berlin.

Parallel dazu entstanden bei den Porzellanköpfen die so genannten Charakterköpfe. Die Firma Kämmer & Reinhardt aus Waltershausen ließ Porzellankinder nach realistischen Vorbildern fertigen.

Bei Kindern sehr beliebt waren die so genannten Badepuppen. Sie bestehen aus einem Hohlkörper, der ganz aus Porzellan gegossen wurde und schwimmen konnte.

Das Spielzeugmuseum zeigt in seiner Puppenausstellung charakteristische Puppen aus vergangenen Epochen. Darunter befinden sich Puppen aus Papiermaché, Stoff, Celluloid und Holz, aber auch Porzellankopfpuppen. Ein Highlight in der Ausstellung ist die kleinste Puppe der Welt.

 

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